Was ist Satyagraha?

Im Folgenden sol­len die Hintergründe und Prinzipien von Satyagraha ver­an­schau­licht wer­den. Dieser Artikel ist als Teil einer Serie zu ver­ste­hen, wel­che die Grundhaltung und Ziele die­ses Blogs ver­an­schau­li­chen soll. Somit will ich die Diskussion der  Möglichkeit einer Satyagraha-Bewegung in unse­ren Breiten unterstützen.

Zuletzt geän­dert am: 30. Dezember 2011 

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Einleitung & Überblick

Das Wort Satyagraha wur­de von Mahatma Gandhi geprägt und bedeu­tet wört­lich „die Kraft der Wahrheit“. Danach benann­te Gandhi sei­ne Methode des gewalt­frei­en Widerstands, die auf Liebe, Wahrheit und Selbstaufopferung beruht.

 

Er setz­te Satyagraha zuerst erfolg­reich im Kampf gegen die Unterdrückung der indi­schen Minderheit durch die Briten in Südafrika ein und erreich­te damit spä­ter in Indien sogar des­sen Unabhängigkeit von der eng­li­schen Herrschaft. Dadurch wur­de Gandhi bis heu­te zum Vorbild für Millionen von Menschen und beein­fluss­te maß­geb­lich ande­re Politiker und Menschenrechtskämpfer wie z.B. Martin Luther King Jr. Mit Gandhi als Vorbild konn­te die­ser die Gleichberechtigung der schwar­zen Bevölkerung in den USA gewalt­frei herbeiführen.

Das Volk ist von Natur aus nicht gewalt­tä­tig, son­dern fried­lich.(2) – Mahatma Gandhi

Die Grundregeln von Satyagraha beinhalten …

  • abso­lu­te Gewaltfreiheit (Ahimsa), phy­sisch wie psychisch;
  • abso­lu­tes Festhalten an der Wahrheit und mora­li­schen Werten;
  • abso­lu­te Verneinung jeg­li­cher Geheimnistuerei (Mahatma Gandhi infor­mier­te sei­ne Gegner sogar über jeden sei­ner nächs­ten poli­ti­schen Schachzüge);
  • die Bereitschaft Schmerzen und Leiden auf sich zu nehmen;

Abb.1: Beispiel für eine Satyagraha-Kampagne: Gandhi und eini­ge Satyagrahis wäh­rend ihres Salzmarsches im März 1930.

Die Strategie von Satyagraha basiert auf dem Versuch, das Herz und das Gewissen sei­ner Gegner anzu­spre­chen. Durch das eige­ne rit­ter­li­che und fried­li­che Verhalten sol­len der Öffentlichkeit und auch dem Gegner selbst des­sen üble Taten solan­ge vor Augen geführt wer­den, bis ein Umdenken statt­fin­det. Die Ziele sind, die Gewaltspiralen zu durch­bre­chen und die Gegner auf sei­ne eige­ne Seite zu zie­hen.

 

Man behan­delt sei­nen Widersacher wie einen Freund. Man bekämpft nicht die Übeltäter, son­dern das Übel selbst.

Auf den ers­ten Blick scheint eine sol­che poli­ti­sche Strategie auf die meis­ten Menschen absurd und undurch­führ­bar zu wir­ken. Allerdings spre­chen nicht nur die vie­len erfolg­rei­chen prak­ti­schen Beispiele für sich, son­dern es kommt bei dem Großteil der Übeltäter durch ein rich­tig durch­ge­führ­tes Satyagraha tat­säch­lich zu einer psy­cho­lo­gi­schen Kettenreaktion!

Wenn Gier den Samen des Streits aus­sät und Hass und Unwissenheit ihn her­um­tra­gen, kann Gandhis Strategie der Wahrheit, Liebe und Gewaltlosigkeit – SATYAGRAHA – ange­wandt werden.

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Warum Satyagraha?

Ich den­ke, dass es für alle poli­tisch inter­es­sier­ten Menschen von gro­ßem Erkenntniswert sein könn­te, sich damit mehr zu beschäf­ti­gen. Diese Idee ist so erstaun­lich, dass man ihr auf jeden Fall eine Chance geben soll­te! Und Alternativen zu haben ist beson­ders in der Politik nie schlecht.

In unse­rer von bru­ta­len Krisen gebeu­tel­ten Welt wird es ohne­hin aller­höchs­te Zeit, nach neu­en Möglichkeiten zur Konfliktlösung zu suchen.

Konventionelle Proteste und Petitionen zei­gen über­haupt nur noch sel­ten Auswirkungen, und die­se sind meis­tens nur gering. Die Politik hat sich wei­test­ge­hend von den Bürgern ent­fernt und ver­selbst­stän­digt. Die Zentralisierung von poli­ti­scher Macht und natio­na­ler Souveränität z.B. nach Brüssel leis­ten der Entdemokratisierung der Völker Europas zusätz­lich Vorschub.

Gandhi hat uns aber schon vor über hun­dert Jahren vor­ge­macht, wie man tie­fe poli­ti­sche Umwälzungen in Richtung Freiheit des Individuums und Wahrheit gewalt­frei durch­füh­ren kann. Um unse­re Politiker wie­der dar­auf auf­merk­sam zu machen, für wen sie eigent­lich arbei­ten, könn­te Satyagraha ein Schlüssel sein! Wir, das Volk, brau­chen wie­der wah­re Volksvertreter und kei­ne poli­ti­schen Marionetten, die nur im Interesse von Märkten, also den Konzernen und der Banken agie­ren. Der Mensch, und nicht das Kapital, muss wie­der in den Mittelpunkt unse­res Lebens gerückt werden!

Auf wel­chen Mechanismen Satyagraha auf­baut, soll nun wei­ter im Detail prä­sen­tiert werden:

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Bedeutung des Wortes & Ursprünge

Viele Menschen, denen ich von mei­nem Blog erzäh­le, run­zeln beim Namen „Satyagraha“ erst­mal ver­wun­dert die Stirn. Das ist auch ver­ständ­lich, denn der Titel mei­ner Webseite klingt nicht nur exo­tisch, son­dern das Wort stammt auch aus einer anti­ken Sprache von der ande­ren Seite der Erde: dem indi­schen Sanskrit.

So setzt sich Satyagraha aus zwei unter­schied­li­chen Sanskritwörtern zusammen:

  1. Satyā = das Ideal (wie etwas sein soll­te, die Wahrheit); wirk­lich, ursprüng­lich, echt (Satya ist abge­lei­tet von Sat, das Sein bedeu­tet); sowie
  2. Graha = stark an etwas fest­hal­ten; Bestehen auf etwas, Beharrlichkeit, Enthusiasmus.

Satyagraha bedeu­tet somit wört­lich „an der Wahrheit fest­hal­ten“ und im über­tra­ge­nen Sinne kann man es auch mit „die Kraft der Wahrheit“ inter­pre­tie­ren (4). Für mehr Informationen sie­he auch Anhang A).

Abb.3: Gandhi als Satyagrahi 1913.

Die Kombination Satyagraha stellt im Sanskrit eigent­lich eine Wortneuschöpfung dar und wur­de in die­ser Form zum ers­ten Mal von Mohandas Karamchand (Mahatma) Gandhi 1908 gebraucht (9). Er defi­nier­te den Ausdruck, kurz gesagt, als „Sich an die Wahrheit hal­ten, Kraft an Wahrheit, Kraft der Liebe, oder Kraft der Seele“ sowie als „Triumph der Wahrheit, Sieg der Wahrheit durch die Kräfte der Seele und der Liebe“. Gandhi ent­wi­ckel­te die­se Grundhaltung zur fried­li­chen Durchsetzung sei­ner poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ziele, die im Kern dar­auf beruht, die Vernunft und das Gewissen des Gegners durch die eige­ne Gewaltlosigkeit (Ahimsa) und die Bereitschaft, Schmerz und Leiden auf sich zu neh­men, anzu­spre­chen (4). Personen, wel­che die Ideale von Satyagraha aktiv als Einzelperson oder als poli­ti­sche Bewegung im Kampf gegen Ungerechtigkeit anwen­den, kön­nen auch Satyagrahis genannt wer­den. Sie tru­gen oft eine schlich­te Uniform, wel­che sie in der Öffentlichkeit aus­zeich­ne­te (sie­he auch Abbildung 1 und 3).

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Was für eine Idee steckt dahinter? 

Gandhi schrieb über Satyagraha in sei­ner AutobiographieMeine Experimente mit der Wahrheit“ (auch erschie­nen unter dem Titel „Mein Leben“) auf den Seiten 156/​157:

 Die Welt beruht auf dem Grundfelsen von Satya oder Wahrheit. Asatya, gleich­be­deu­tend mit Unwahrheit, bedeu­tet auch »nicht vor­han­den«; und Satya oder Wahrheit bedeu­tet »das, was ist«. Wenn Unwahrheit nicht ein­mal vor­han­den ist, kann auch ihr Sieg nie­mals sein. Und die Wahrheit kann als »das, was ist« nie­mals ver­nich­tet wer­den. Das ist in aller Kürze die Lehre von Satyagraha.“ (2) 

Abb.4: Abraham Lincoln 1863

Sehr pas­send dazu fin­de ich auch die­ses Zitat von Abraham Lincoln:

„Man kann das gan­ze Volk eine Zeit lang täu­schen und man kann einen Teil des Volkes die gan­ze Zeit täu­schen, aber man kann nicht das gan­ze Volk die gan­ze Zeit täuschen.“

 

Louis Fischer schrieb in sei­ner Gandhi-Biografie „Gandhi, Prophet der Gewaltlosigkeit“ über Satyagraha:

„(…) Gandhi hät­te nie­mals die­se Taten in Südafrika und in Indien voll­brin­gen kön­nen, wenn er nicht eine ganz ande­re Waffe zum Einsatz gebracht hät­te. Sie war etwas völ­lig Neues (…) und war in der Tat so ein­zig­ar­tig, dass er kei­nen Namen dafür wuß­te, bis er sich zu »Satyagraha« ent­schloß. »Satya« bedeu­tet Wahrheit, Liebe. Beides sind Attribute der Seele. »Agraha« ist Stärke oder Kraft. »Satyagraha« ist also Stärke, die aus Wahrheit, Liebe und Gewaltlosigkeit gebo­ren ist. »Satyagraha«, schrieb Gandhi, »ist die Verteidigung der Wahrheit, nicht indem man dem Gegner Leiden auf­bür­det, son­dern sich selbst. « Der Gegenspieler muß »von sei­nem Irrtum durch Geduld und Sympathie abge­bracht wer­den«. Abgebracht und nicht zer­schmet­tert. Satyagraha besteht aus einer stän­di­gen wohl­wol­len­den Wechselwirkung zwi­schen den bei­den Parteien mit dem Ziel einer Versöhnung ohne vor­her­ge­hen­den Kampf. Gewalt, Beleidigungen und Hetzkampagnen wir­ken die­sem Ziel entgegen.

Gandhi ver­such­te nie, die Weißen in Südafrika oder die Briten in Indien zu ernied­ri­gen oder zu besie­gen. Er woll­te sie umstim­men, ihnen den Weg zur Verständigung erleich­tern. Er hoff­te, General Jan Christiaan Smuts wür­de sich an sein Christentum erin­nern, wenn er, Gandhi, gemäß den Worten der Bergpredigt han­del­te. [Smuts war ein bri­ti­scher Staatsmann sowie Gandhis direk­ter poli­ti­scher Kontrahent in Südafrika; Anm.]

Satyagraha kehrt die Auge-um-Auge-Politik um, die dar­in endet, daß jeder­mann blind oder blind vor Zorn ist. Satyagraha ver­gilt Böses mit Gutem, bis der Übeltäter des Bösen müde gewor­den ist. Gandhi zeig­te in Südafrika und in bestimm­ten Fällen auch in Indien, daß nor­ma­le mensch­li­che Wesen auch unter sehr unan­ge­neh­men Umständen zu Hochherzigkeit imstan­de sein kön­nen.“ (1)

Der grund­le­gen­de Hintergedanke von Satyagraha ist dem­nach, den Gegner „umzu­dre­hen und ihn somit als Verbündeten und Freund für die eige­ne Sache zu gewin­nen. Diese Taktik grün­det sich auf der Idee, dass der Appell an Herz und Gewissen des Gegners effek­ti­ver ist als ein Appell, der sich auf Drohungen oder Gewalt stützt. So führt Gewalt zum einen zu Angst mit ent­spre­chen­den Gegenreaktionen, und zum ande­ren nur wie­der zu Gegengewalt (evtl. mit zeit­li­cher Verzögerung und an einem ande­ren Ort) (4).

Einzig und allein Gewaltlosigkeit und Liebe kön­nen die­se Gewaltspiralen unter­bre­chen! Durch Satyagraha ist man in der Lage immer mehr Anhänger der Gegnerschaft auf die eige­ne Seite zu zie­hen. Die Anzahl an Kontrahenten wird ohne jeden Einsatz von Gewaltmitteln immer wei­ter aus­ge­dünnt, bis der kri­ti­sche Punkt erreicht ist, das Fass qua­si über­läuft und der Gegner besiegt ist.

 Satyagraha kehrt die Auge-um-Auge-Politik um, die dar­in endet, daß jeder­mann blind oder blind vor Zorn ist. Satyagraha ver­gilt Böses mit Gutem, bis der Übeltäter des Bösen müde gewor­den ist. Gandhi zeig­te in Südafrika und in bestimm­ten Fällen auch in Indien, daß nor­ma­le mensch­li­che Wesen auch unter sehr unan­ge­neh­men Umständen zu Hochherzigkeit imstan­de sein kön­nen.“ (1)

 Die Ehrlichkeit und das Festhalten an der Wahrheit gehen soweit, dass kei­ner­lei Verschwörung und Geheimnistuerei gedul­det wer­den. Alle Karten wer­den offen auf den Tisch gelegt und die eige­nen poli­ti­schen Pläne wer­den dem Kontrahenten offen mit­ge­teilt. Dieser hat somit zu jeder Zeit Einsicht in die Satyagraha-Bewegung. Kommt es zu poli­ti­schen Verhandlungen und machen die Gegner ein Angebot, so wird es von den Satyagrahis beim Wort genom­men. Bricht der Widersacher spä­ter sein Wort, so setzt er sich damit selbst wie­der ins Unrecht (10).

Satyagraha ist ohne Hierarchie und Ideologie (Gandhi heg­te eine Abneigung gegen­über allen Ideologien). Es stellt ein­fach eine beson­de­re Kampfstrategie spe­zi­ell gegen Gewalt, Lügen, Ungerechtigkeit und Korruption dar. Die Teilnahme ist unab­hän­gig von Geschlecht, Herkunft und poli­ti­schem Hintergrund. Es kann sich jeder anschlie­ßen, der mit den kri­ti­sier­ten Ungerechtigkeiten nicht ein­ver­stan­den ist und Gewalt ablehnt. Man könn­te es auch pla­ka­tiv als einen Kampf „Gut gegen Böse“ sehen.

Allerdings soll­te man mit einer der­ar­ti­gen Schwarz-Weißmalerei vor­sich­tig umge­hen, weil dadurch der Gegner nega­tiv bewer­tet wird. Das wider­spricht dem Sinn und Zweck von Satyagraha! Es soll hier also nur als Veranschaulichung dienen.

Die Erfahrungen von Mahatma Gandhi u.a. haben bis­her gezeigt, dass die Widersacher mit Erpressung, Diskriminierung, Lügen, Terror (Angst) und Gewalt auf die­se Taktik reagier­ten (also mit den „kon­ven­tio­nel­len Mitteln“ der Meinungsmache, die uns lei­der zur Gewohnheit gewor­den sind) [1] [2]. Damit schnei­den sich die kor­rup­ten Machthaber aber stets ins eige­ne Fleisch: Denn somit wer­den die unge­rech­ten, ego­is­ti­schen und bösen Absichten der Übeltäter deut­lich vor den Augen der gan­zen Welt entblößt!

 – Und das ist der sprin­gen­de Punkt!

Erst wenn den Leuten die Ungerechtigkeiten bewusst wer­den, so kön­nen sie sich effek­tiv gegen sie weh­ren. So wie Dunkelheit die Abwesenheit von Licht ist, blei­ben Lügen nur durch die Abwesenheit der Wahrheit erhalten!

Abb.6: Fliehende Kinder nach der Bombardierung des Ortes Trang Bang mit Napalm durch die US-Streitkräfte wäh­rend des Vietnamkriegs im Juni 1972.

 

Es ist der Kampf „Existenz gegen Nichtexistenz“. Die Satyagrahis ver­su­chen in jedem Moment ihres Wirkens der Aufklärung einen Stups in die rich­ti­ge Richtung zu geben. Wie man sieht ist die Öffentlichkeitsarbeit dem­nach sehr wich­tig für jede Wahrheitsbewegung, damit logi­scher­wei­se eine mög­lichst gro­ße Population ange­spro­chen wer­den kann. Hier soll­te nun der moder­ne Journalismus ins Spiel kom­men. Man meint, die­ser wäre im Dienste der Gerechtigkeit und der Wahrheit tätig. Meiner Meinung nach ist das ein Trugschluss und uns bewusst ins Bewusstsein ein­ge­flößt wor­den. In vie­len Artikeln mei­nes Blogs geht es um die Manipulation in den Massenmedien und der bewuss­ten Meinungsmache/​Propaganda in der west­li­chen Welt, der sich mitt­ler­wei­le auch eine stei­gen­de Zahl ande­rer Blogger und Medienanbieter ent­ge­gen­stel­len.  Ich möch­te an die­ser Stelle ledig­lich ein ein­zel­nes, für die Massenmedien und ihrer Legitimität ver­nich­ten­des Zitat her­vor­he­ben. Es stammt von John Swinton, dem ehe­ma­li­gen Herausgeber der ein­fluss­rei­chen New York Times, der in sei­ner Abschiedsrede vor dem New York Press Club 1953 Folgendes sagte:

So etwas wie eine freie Presse gibt es nicht. Sie wis­sen es, und ich weiß es. Nicht einer unter Ihnen wür­de sich trau­en, sei­ne ehr­li­che Meinung zu schrei­ben, und selbst wenn er es täte, dann wür­de sie nicht gedruckt. Ich wer­de jede Woche dafür bezahlt, mei­ne eige­ne Meinung aus der Zeitung her­aus zu hal­ten. Das gilt für sie alle genau so, und wer sich nicht dar­an hält, steht auf der Straße, und kann sich einen neu­en Job suchen. Die eigent­li­che Aufgabe des Journalisten besteht dar­in, die Wahrheit zu zer­stö­ren, Lügen zu erzäh­len, die Dinge zu ver­dre­hen und sich selbst, sein Land und sei­ne Rasse für sein täg­li­ches Brot zu ver­kau­fen. Sie wis­sen es, und ich weiß es, also was soll der Blödsinn, auf eine freie Presse anzu­sto­ßen? Wir sind Werkzeuge und Marionetten der Reichen, die hin­ter den Kulissen die Fäden zie­hen. Sie spie­len die Melodie, nach der wir tan­zen. Unsere Talente, unse­re Möglichkeiten und unser Leben sind Eigentum frem­der Männer. Wir sind nichts wei­ter als intel­lek­tu­el­le Prostituierte.(3)

Lassen sie die­se Worte auf sich wir­ken. Versuchen sie ein­mal in den Nachrichten etwas genau­er auf Ungereimtheiten zu ach­ten (z.B. indem sie sich zu einem inter­es­san­ten Thema unter­schied­li­che Zeitungen durch­le­sen, Sendungen anse­hen und dann im Internet auf alter­na­ti­ven Blogs wei­te­re Informationen holen). Ich ver­spre­che ihnen, dass sie sehr bald erken­nen wer­den, wie vie­le unter­schied­li­che „Wahrheiten“ in den Medien kur­sie­ren und wie sehr man „die Wahrheit“ bei sen­si­blen Themen ver­dre­hen kann!

Die Zeitungspresse ist eine gro­ße Macht, aber wie ent­fes­sel­te Fluten gan­ze Landstriche unter Wasser set­zen und Ernten ver­wüs­ten kön­nen, genau­so dient eine unbe­herrsch­te Feder nur der Zerstörung. Wird die Beherrschung von außen auf­ge­zwun­gen, so wirkt sie ver­derb­li­cher als Mangel an Beherrschung. Ersprießlich kann sie nur sein, wenn sie von innen her geübt wird.(2) – Mahatma Gandhi

Die Propagandamaschine der Massenmedien wäre dem­nach eines der ers­ten und wich­tigs­ten Ziele, die eine Wahrheits-Bewegung im Visier haben soll­te! Dazu aber mehr in ande­ren Artikeln, die noch fol­gen werden.

Für gewöhn­lich unter­stüt­zen Menschen eine Idee, ein System, eine Regierung, eine Organisation oder eine Person, weil sie glau­ben, sie wür­den die gerech­te und gute Seite ver­tre­ten. Für ande­re wie­der­um ist der mate­ri­el­le Profit aus­schlag­ge­bend. Häufig ist es lei­der auch Zwang, sprich Gewalt, wel­cher die Leute in ihrer Position hält.

Abb.7: Die Occupy-Wall Street Bewegung wur­de oft Opfer inad­äqua­ter Polizeigewalt.

Konflikte ent­ste­hen dann dadurch, dass sich Menschen mit ihren unter­schied­li­chen indi­vi­du­el­len Überzeugungen von der Wahrheit kom­pro­miss­los gegen­über­ste­hen. Sieht man sich dann jedoch sel­ber z.B. als Polizist auf unschul­di­ge Demonstranten ein­prü­geln oder gar schie­ßen, so löst dies bei jedem Menschen ab einem gewis­sen Zeitpunkt auto­ma­tisch eine Abneigungsreaktion aus. Man stellt sich die Frage, war­um man Menschen andau­ernd ver­letzt, die sich abso­lut nicht zur Wehr setzen!?

Man beginnt an dem Sinn der eige­nen Handlungen zu zwei­feln und stellt sei­ne Standpunkte bzw. die der ver­tre­te­nen Sache grund­le­gend in Frage. Man erkennt den Widerspruch sei­ner eige­nen Worte und Handlungen mit sei­nen inne­ren Wertvorstellungen, sei­nem Gewissen. Das führt schließ­lich dazu, dass man sich wei­gert wei­te­re bru­ta­le Befehle aus­zu­füh­ren. Sprießen sol­che Gedanken in den ver­schie­dens­ten Ausführungen im Kopf eines Menschen, so fasst er ab einem gewis­sen Punkt den Willen des eige­nen Widerstands. Er kann aber auch indi­rekt über den erwach­ten Willen eines Kollegen ange­steckt werden.

Was folgt ist also die gestei­ger­te Wahrnehmung der Ungerechtigkeiten der eige­nen Sache und somit das Erkennen und die Auflehnung gegen­über dem eige­nen Unterdrücker. Man nimmt des­sen Führung nicht mehr an und wehrt sich – viel­leicht schließt man sich sogar den frü­he­ren „Feinden“, näm­lich der Satyagraha-Bewegung, an.

 Natürlich kann das nicht bei jedem ein­zel­nen Gegner der Fall sein. Nicht jeder hat­te in sei­nem Leben genü­gend Willensschulung oder aus­rei­chend gute Chancen dafür. Doch reicht es schon aus, wenn bei einem ein­zi­gen Individuum der mys­ti­sche Funke von Satyagraha über­springt und sich die­ser beginnt fort­zu­pflan­zen. Es kommt lang­sam, aber sicher zur Kettenreaktion.

Diese ist unver­meid­lich, vor­aus­ge­setzt Saytagraha wird gewis­sen­haft ausgeführt.

Von ent­schei­den­der Bedeutung sind dabei die Beharrlichkeit und Geduld, also der unbe­zwing­ba­re Wille der Satyagrahis.

Zuerst igno­rie­ren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämp­fen sie dich, dann gewinnst du.Mahatma Gandhi

Denn am Anfang wird es immer sehr viel Leid und Schmerz bei den Satyagrahis geben. Dies kann durch phy­si­sche Gewalt gesche­hen oder durch psy­chi­schen Druck. Dazu gehö­ren z.B. Inhaftierungen, Ignoranz, Verneinung und Verbreitung von Lügen und schäd­li­chen Gerüchten von Seiten der Massenmedien. Die Satyagrahis wer­den vor der Öffentlichkeit lächer­lich gemacht und Fehler, die der Bewegung pas­sie­ren kön­nen, her­vor­ge­ho­ben und auf­ge­bauscht mit dem Ziel, sie her­ab­zu­wür­di­gen und ins sozia­le Abseits zu stel­len. Solche Methoden der Kontrahenten bestä­ti­gen die Satyagrahis aber nur noch mehr in ihren Forderungen. Lassen sich die Anhänger Bewegung dadurch also nicht demo­ra­li­sie­ren, was für Mittel blei­ben dem Gegner denn dann noch übrig?

Man könn­te natür­lich jeden ein­zel­nen Satyagrahi umbrin­gen, doch ent­blö­ßen die Übeltäter ihre dunk­len Absichten dadurch nur noch deutlicher!

Mit jeder ver­zwei­fel­ten Gewalttat und mit jedem wei­te­ren Schmerz also, den die Satyagrahis auf sich neh­men, wird sich die öffent­li­che Meinung fort­lau­fend zu Gunsten der Wahrheitskämpfer ändern. Meist ist der Start zäh und alles ent­wi­ckelt sich lang­sam. In der Natur ist es nor­mal, dass Dinge lang­sam wach­sen und dann plötz­lich expo­nen­ti­ell stei­gen. Parallel dazu wird sich das Mitgefühl bei neu­tra­len Menschen wie auch bei den Widersacher mit entwickeln.

Seelen ohne Zahl haben sich geop­fert in der Vergangenheit, opfern sich in der Gegenwart und wer­den sich in Zukunft opfern im Dienste des Vaterlandes und der Menschheit, und das liegt im Lauf der Welt, da nie­mand weiß, wer rein ist. Aber die Satyagrahis kön­nen ver­si­chert sein: wenn auch nur einer unter ihnen ist, der rein ist wie Kristall, so wird sein Opfer genü­gen, um das ersehn­te Ziel zu errin­gen.“ (2) – Mahatma Gandhi

Ein Sekretär von General Smuts in Südafrika drück­te bezüg­lich der Gewaltlosigkeit Gandhis und sei­ner Satyagrahis sei­ne Gefühle so aus:

Ich lie­be eure Leute nicht und ich habe durch­aus kei­ne Lust, ihnen etwas zulie­be zu tun. Aber was soll ich machen? Ihr helft uns in der Not. Wie kön­nen wir da Hand an euch legen? Ich wünsch­te oft, ihr möch­tet zur Gewalt grei­fen wie die eng­li­schen Streiker, dann wüß­ten wir sofort, wie wir euch los­wer­den wür­den. Aber ihr wollt ja nicht mal eurem Feind etwas Böses tun. Ihr wollt sie­gen ledig­lich dadurch, daß ihr Leiden auf euch nehmt, und über­tre­tet nie eure selbst­ge­steck­ten Grenzen der Höflichkeit und Ritterlichkeit. Und eben das ver­dammt uns zu völ­li­ger Hilflosigkeit.” (2)

Dies geschah, nach­dem Mahatma Gandhi die kom­plet­te Satyagraha-Bewegung für den Zeitraum stopp­te, in dem die eng­li­schen Bahnarbeiter in Südafrika par­al­lel in einen Generalstreik getre­ten waren. Gandhi woll­te die ver­zwei­fel­te Lage der bri­ti­schen Regierung nicht zu sei­nem Vorteil aus­nüt­zen, obwohl ihm dadurch die Möglichkeit gebo­ten wur­de, sei­ne poli­ti­schen Forderungen durch­set­zen zu kön­nen. Dies mach­te einen so gro­ßen Eindruck auf die bri­ti­sche Öffentlichkeit und ihre Regierung, dass sie aus Dankbarkeit für Gandhis Großherzigkeit sei­nen Forderungen schließ­lich doch nach­ga­ben. Dies war somit auch das Ende von Gandhis direk­tem poli­ti­schem Wirken in Südafrika.

Eine sol­che Strategie setzt mehr Mut und Stärke vor­aus, als jeg­li­che bewaff­ne­ten Handlungen es jemals täten! Man nützt kei­ner­lei Nachteile sei­nes Gegners aus, man ver­sucht sei­nen Feinden nie­mals zu scha­den und man ist nie auf die Früchte sei­nes Handelns aus, nur auf die Handlung selbst. In ande­ren Worten: Man bekämpft nicht den Übeltäter, son­dern das Übel!

Einer Horde Polizisten in vol­ler Streikmontur ent­ge­gen­zu­tre­ten, auch wenn sie mit Wasserwerfern, Schallwaffen und Kampfhunden bewaff­net sind, und dabei selbst nach den höchs­ten Prinzipien der Wahrheit und der Liebe „nur“ mit den Waffen der Gewaltlosigkeit und sei­nes eiser­nen Willens aus­ge­stat­tet zu sein; mit der Aussicht für die Gerechtigkeit und das Wohl sei­ner Mitmenschen sogar zu fal­len; ist die größ­te Heldentat, die ein Krieger jemals unter­neh­men könnte!

Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken.Mahatma Gandhi

Wenn die ver­tre­te­nen Forderungen wirk­lich rein und ohne jeg­li­che ego­is­ti­sche Hintergedanken sind und dem Wohle der Menschheit und jedes ein­zel­nen die­nen; wenn der Kampf also auf dem Festhalten an der Wahrheit und der Liebe basiert, so wird die Aufopferung eines jeden Satyagrahi belohnt wer­den und zum gewünsch­ten Ziel füh­ren. Jeder ein­zel­ne Wahrheitskämpfer ist dabei von Bedeutung. „Das Atom reflek­tiert das Universum[1], und somit ist jeder ein­zel­ne Satyagrahi ein Spiegel des Ganzen und dem­entspre­chend ver­pflich­tet. Dies kann auch das Ablegen eines Gelübdes beinhal­ten, das in einem ande­ren Artikel behan­delt wird (Voraussetzungen für Satyagraha).

Eine tra­gen­de Rolle neh­men die Führungspersönlichkeiten der Bewegung ein: Diese müs­sen von Anfang an die Ideale nach Gandhis Vorbild per­fekt ver­ste­hen und ver­tre­ten, weil sie ver­gleich­bar als Massenkristalle die Widerstandsbewegung orga­ni­sie­ren und koor­di­nie­ren. Sie müs­sen die Ideale der Liebe und Wahrheit per­so­ni­fi­zie­ren, um damit den ande­ren zei­gen zu kön­nen, wie man auf die poli­ti­schen Entwicklungen ent­spre­chend rich­tig reagiert. Sobald jeder Protestteilnehmer die Prinzipien des gewalt­frei­en Widerstands gewis­sen­haft in Verstand und Herz ver­in­ner­licht haben, kön­nen die Führungspersönlichkeiten in den Hintergrund tre­ten. Somit geben sie neben ihrer Vorbildfunktion auch den unfass­ba­ren Magnetismus wei­ter, der so unwi­der­steh­lich auf ihre Mitstreiter, wie auch ihre Gegner wirkt.

Gandhi akzep­tier­te die Menschen jedoch so wie sie waren. Die Liebe mach­te ihn nach­sich­tig. (…) Er akzep­tier­te sogar Rebellion und Widerspruchsgeist, wenn dies der geis­ti­gen Entwicklung des Menschen dien­lich sein konn­te. Untreue ihm gegen­über stör­te ihn nicht, wohl aber Untreue dem Grundsatz gegen­über. (…) Er war nicht nur Führer einer Bewegung, für deren Erfolg er kämpf­te, er schmie­de­te eine Nation, indem er Menschen form­te. Wenn er der Vater einer Nation sein soll­te, dann woll­te er auch gigan­ti­sche Söhne haben.“ (1)

Um Missverständnisse zu ver­mei­den, möch­te ich hier klar­stel­len, was ich unter einer Führungspersönlichkeit ver­ste­he: Es sind nicht die Art von Anführern, wie wir sie lei­der gewöhnt sind (also die „typi­schen“ hier­ar­chi­schen und ego­zen­tri­schen Befehlshaber) son­dern ich defi­nie­re einen ech­ten Anführer danach, wie sehr er oder sie sei­nen geführ­ten Mitmenschen wirk­lich dien­lich ist.

Alle die rein sind in Gedanken, Worten und Taten, sich die Liebe und Wahrheit zum höchs­ten Ziele aus­er­ko­ren haben, wer­den von selbst zu sol­chen Vorbildern und Führern in jeder Satyagraha-Bewegung. Es gibt dort kei­ne Hierarchie und kei­ne Pyramidenstruktur.

Gandhi dazu:Ich habe immer gefun­den, daß viel erreicht wer­den kann, wenn der Dienende wirk­lich dient und den Leuten nicht befiehlt. Wenn der Dienende selbst Arbeit auf sich nimmt, wer­den ande­re in sei­ne Fußstapfen tre­ten.(2)

So betei­lig­ten sich Gandhi und sei­ne direk­ten Mitarbeiter oft bei den ver­schie­dens­ten Aufräum- und Putzarbeiten, die in den Protestlagern so anfie­len, mit dem Ergebnis, dass auch ande­re mit Freude und Motivation mit­hal­fen. Ein Satyagrahi stellt sich nie­mals über ande­re Menschen und deren Tätigkeiten.

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Persönliches Fazit:

Eine sol­che poli­ti­sche Strategie der fried­li­chen Selbstaufopferung mag für Menschen, die sich noch nicht län­ger mit dem Gedanken des gewalt­frei­en Widerstands aus­ein­an­der­ge­setzt haben, im ers­ten Moment eigen­ar­tig, nicht durch­führ­bar, viel­leicht sogar ver­rückt klin­gen. Ich dach­te frü­her auch so, doch eini­ges an Lektüre über und von Gandhi, die vie­len prak­ti­schen Beispiele von damals und auch heu­te, sowie fort­lau­fen­de Selbstreflexion konn­ten mich schließ­lich von der mys­ti­schen Wirkweise von Satyagraha im prak­ti­schen Leben überzeugen.

Meine Auseinandersetzung und Vertiefung mit die­sem Themenkreis gab mir auch die Kraft und den Willen die­sen Blog ins Leben zu rufen, um end­lich mei­nen ers­ten beschei­de­nen Beitrag im Kampf gegen Lügen und Gewalt in der Welt zu leis­ten. In die­sem Rahmen habe ich mich auch an den Versuch gewagt, die Prinzipien von Satyagraha hier auf die Art und Weise, wie ich sie jetzt in die­sem Augenblick wahr­neh­me, mög­lichst ver­ständ­lich und all­ge­mein zugäng­lich zu veranschaulichen.

Man muss kein Genie, Bücherwurm oder Yogi sein um die Prinzipien von Satyagraha zu ver­ste­hen. Es reicht schon aus ein biss­chen Offenheit für neue Ideen und ein wenig Einfühlungsvermögen mit­zu­brin­gen. Ich fin­de, jeder Mensch soll­te die­ser Idee zumin­dest ein­mal eine Chance geben – schließ­lich sieht man anhand der jet­zi­gen Situation in der Welt, dass die bis­he­ri­gen Strategien zur Konfliktbewältigung nicht erfolg­reich sind. Auf den höchs­ten poli­ti­schen Ebenen tre­ten diplo­ma­ti­sche Verhandlungen und Lösungsvorschläge immer mehr in den Hintergrund, wäh­rend Gewalt in Form von Sanktionen (tref­fen immer die sozi­al Schwächsten im betrof­fe­nen Land) und Bombardierungen für huma­ni­tä­re Zwecke und für den Frieden (!) der Vortritt gege­ben wird. In mei­nen Augen ein orwel­lia­ni­sches Paradoxon („Frieden durch Krieg“).

Dabei wur­de die Wirkweise von Satyagraha bereits mehr­mals in der Praxis unter Beweis gestellt! Einige Beispiele für gro­ße poli­ti­sche Bewegung wären Mohandas Karamchand Gandhi in Südafrika und Indien, Khan Abdul Ghaffar Khan und sei­ne Organisation Khudai Khidmatgar in Pakistan und Afghanistan, sowie Martin Luther King Jr. in den USA. Leider gescha­hen die­se bis­her immer nur in einem rela­tiv loka­len Rahmen und noch nicht bei glo­ba­len Anliegen. Ist die Zeit nun reif dafür geworden?

 

 

Keine Waffe auf der Welt ist so mäch­tig wie eine Idee, deren Zeit gekom­men ist.Victor Hugo 

 

 

Hoffentlich ist mei­ne Botschaft, wes­halb Satyagraha die der­zeit bes­te Strategie ist, um die über­all wir­ken­den Gewaltspiralen zu durch­bre­chen, bei vie­len Lesern ange­kom­men. Möglicherweise kann durch die Vermittlung der Idee des gewalt­frei­en Widerstands und des­sen Durchführung ein blei­ben­der posi­ti­ver Wandel in unse­rer ent­ar­te­tet Welt erreicht wer­den. Denn auch wenn zur­zeit noch die meis­ten Menschen Gewalt als ein­zig mög­li­chen Weg für Veränderung sehen, so sind sol­che Veränderungen immer von ver­hält­nis­mä­ßig kur­zer Dauer, nur um schließ­lich wie­der in einem ähn­lich bru­ta­len System zu enden. Die Geschichte ist vol­ler Beispiele dafür. In einem ande­ren Artikel wer­de ich eini­ge sol­cher Beispiele erläutern.

 Ich erhof­fe mir mit mei­nen Ausführungen über Satyagraha, und das ist auch ein Ziel mei­nes Blogs, noch mehr Leute über Gandhis ein­zig­ar­ti­ge Idee infor­mie­ren zu kön­nen. Neben alter­na­ti­ven Sichtweisen auf Themenbereiche wie z.B. Gesundheit, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft etc. möch­te ich ganz all­ge­mein Alternativen zu unse­ren „gewohn­ten Konfliktlösungsstrategien“ prä­sen­tie­ren. Dies geschieht zu aller­erst durch Informationen, die ich auf die­sem Blog prä­sen­tie­ren möch­te. Denn wie soll man etwas kri­ti­sie­ren, von dem man nichts weiß?

Wenn ich durch die­sen Blog schon allei­ne in einem ein­zi­gen Fall zu einer gewalt­frei­en und mensch­li­che­ren Lösung eines Problems bei­tra­gen kann, so hat sich mei­ne ehren­amt­li­che Arbeit gegen die wuchern­den Übel unse­rer Welt bereits gelohnt!

Je mehr Menschen also davon wis­sen und sogar aktiv bei­tra­gen, des­to erfolg­rei­cher wird die fried­li­che Strategie, der gewalt­freie Widerstand, Satyagraha und somit die Wahrheitsbewegung in der Praxis auch werden.

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Zusammenfassung: 

Ich möch­te soweit mit mei­nen Ausführungen über die Idee hin­ter  Satyagraha abschlie­ßen und dazu noch mit zwei kur­zen aber tref­fen­den Anekdoten die wesent­li­chen Punkte zusam­men­fas­sen. Erstere ist aus Fischers Gandhi-Biografie (1) und die zwei­te sind eini­ge Verse aus dem Gedicht „The Mask of Anarchy“ von Shelley (7), wel­ches eben­falls in Fischers Buch zitiert wird.

„Gandhis Gewaltlosigkeit war vor allem ande­ren eine per­sön­li­che Ethik, die Wahrheit, Liebe, Dienst am Nächsten, rück­sichts­vol­le Methoden und Mittel, Nichtverletzen durch Wort und Tat, mil­de Toleranz gegen­über Andersartigkeit und Wunschlosigkeit oder zumin­dest mäßi­ges Streben nach mate­ri­el­len Dingen beinhaltete.

Dann war sie an zwei­ter Stelle aber auch eine Methode Konflikte zwi­schen Rassen, in Gemeinschaften und zwi­schen Ländern zu ver­mei­den. »Schaut in Euch selbst nach«, for­der­te er immer wie­der. »Vielleicht liegt der Fehler auch an Euch!« »Urteilt, ver­han­delt, ent­schei­det«, fleh­te er immer wie­der, »ansons­ten wird ein Religions- oder Rassenstreit sofort Zündstoff für einen ande­ren lie­fern, und ein Krieg wird die Gehässigkeit, die Ängste und die Militärstrategien erzeu­gen, die einen zwei­ten und drit­ten wahr­schein­li­cher machen wer­den. Gewalt erzeugt sich immer wie­der selbst. «

Das sind ein­fa­che Wahrheiten. Gandhi wuss­te das. Ich schlug ihm im Jahre 1946 vor, daß er im Westen über den Frieden pre­di­gen soll­te. »Warum braucht der Westen mich, um zu wis­se,. daß zwei­mal zwei vier sind? « frag­te er ver­wun­dert. Offensichtlich hat der west­li­che Verstand die­se Arithmetik ver­stan­den, doch das Gewissen und das Herz des Westens sind nicht fähig, dar­aus die prak­ti­schen Schlüsse zu zie­hen. Daher kam Gandhis Kritik an der christ­li­chen Welt. (…)

»Wir haben hier zu vie­le Männer der Wissenschaft, zu weni­ge Männer Gottes. Wir ken­nen das Geheimnis des Atoms und haben die Bergpredigt abge­lehnt. « Das sind nicht Gandhis Worte, son­dern die von General Omar N. Bradley, Chef des Generalstabs der ame­ri­ka­ni­schen Streitkräfte, in einer in Boston am 10. November 1948 gehal­te­nen Rede. »Unsere Welt«, fuhr Bradley fort, »ist eine der nuklea­ren Giganten und der ethi­schen Zwerge. Wir wis­sen mehr über Krieg als über Frieden, mehr über das Töten als über das Leben. «

Gandhi wuß­te nichts über das Töten, aber er hat­te das Geheimnis eines glück­li­chen, nutz­brin­gen­den Lebens gefun­den. Er war ein nuklea­rer Zwerg und ein ethi­scher Gigant. Er ver­warf das Atom, weil er die Bergpredigt von Christus ange­nom­men hat­te. Er war ein Christ, ein Hindu, ein Moslem und ein Jude. Wer kann das sonst schon von sich sagen? Vielleicht ist das der Grund, war­um es ein Hindu war, der zum »Sprecher für das Gewissen der Menschheit« wur­de. Da er immer auf die Befehle sei­nes eige­nen Gewissens hör­te, konn­te er für die und zu den Gewissen der ande­ren spre­chen.“ (1)

Percy Bysshe Shelley (17921822) schrieb nach dem Massaker am 16. August 1819 in Peterloo bei Manchester das tref­fen­de Gedicht „The Mask of Anarchy“. Die Britische Regierung töte­te an die­sem Tag bei einer Demonstration 11 Menschen und ver­letz­te mehr als 400 Demonstranten, Frauen wie Kinder (8). Dieser Ausschnitt aus dem Gesamtwerk (7) reflek­tiert kunst­voll das Prinzip, nach dem Satyagraha funktioniert:

Stand ye calm and resolute,
Like a forest clo­se and mute,
With fold­ed arms and loo­ks which are
Weapons of unvan­quis­hed war,

And if then the tyrants dare
Let them ride among you there,
Slash, and stab, and maim, and hew, -
What they like, that let them do.

With fold­ed arms and steady eyes,
And litt­le fear, and less surprise,
Look upon them as they slay
Till their rage has died away.

Then they will return with shame
To the place from which they came,
And the blood thus shed will speak
In hot blus­hes on their cheek.

Rise like Lions after slumber
In unvan­quis­ha­ble number -
Shake your chains to earth like dew
Which in sleep had fal­len on you -
Ye are many – they are few.

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Weiterführende Artikel:

  • Henry David Thoreau: Ziviler Ungehorsam: Gandhi las die­ses Buch des berühm­ten ame­ri­ka­ni­schen Schriftstellers wäh­rend sei­nes ers­ten Gefängnisaufenthalts in Südafrika. Es soll­te gro­ßen Einfluss auf sei­nen Kampf gegen die bri­ti­sche Unterdrückung haben.

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Quellen:

  1. Louis Fischer: „Gandhi, Prophet der Gewaltlosigkeit
  2. M.K. Gandhi: „Meine Experimente mit der Wahrheit“ ( „Mein Leben“)
  3. Michael Morris: „Was Sie nicht wis­sen sollen“
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Satyagraha
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Sanskrit
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Mahatma_Gandhi
  7. http://www.ivu.org/history/shelley/masque.html
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Peterloo-Massaker
  9. Albrecht Hagemann: „Mahatma Gandhi
  10. Dietmar Rothermund: „Gandhi – Der gewalt­lo­se Revolutionär

Bilder:

  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Satyagraha
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Sanskrit
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Mahatma_gandhi
  4. http://lifesgreatadventures.com/wp-content/gallery/latest-pictures/napalm-girl-in-the-picture.jpg
  5. http://en.wikipedia.org/wiki/File:Friendship_2.jpg : von Mathias Klang
  6. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Street_fight.jpg&filetimestamp=20080809140737
  7. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kettenreaktion.svg&filetimestamp=20110204175800
  8. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6e/Gandhi_satyagrahi.jpg
  9. http://images3.wikia.nocookie.net/__cb20111120014745/wikiality/images/e/e3/Police_pepper_spray.jpg

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Anmerkung des Autors, Athenoctus:

Ich behal­te mir vor, die­sen Artikel gemäß mei­ner jeweils aktu­el­len Auffassungen von Satyagraha stets ändern zu dür­fen. Schließlich ist auch Gandhi von Wahrheit zu Wahrheit gewach­sen, und die­ser Blog soll mir und evtl. mei­nen Lesern bei der Suche nach Wahrheit hel­fen. In unse­rer Welt ist alles im Fluss und das stu­re Festhalten an einer ein­zi­gen Wahrheit kommt einer Stagnation der per­sön­li­chen Entwicklung gleich.

Der Artikel wur­de zuletzt am 30. Dezember 2011 geändert.

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