Reinhard Mey – Sei wachsam

Reinhard Mey wur­de im Berliner Bezirk Wilmersdorf als zwei­tes Kind des Rechtsanwalts Gerhard Mey und der Lehrerin Hertha Mey, gebo­ren.

Ende 2002 unter­sag­te Reinhard Mey anwalt­lich die „Verbreitung von Informationen zu sei­ner Person“ im Internet und droh­te Fanseitenbetreibern mit Unterlassungsklagen, wir ver­zich­ten daher auf die Auflistung genaue­rer Daten.




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video

Liedtext:

Ein Wahlplakat zer­ris­sen auf dem nas­sen Rasen,
Sie grin­sen mich an, die alten auf­ge­weich­ten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugend­lich gemach­ten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anprei­sen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig ges­tern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermah­nen,
Sie nen­nen es das Volk, aber sie mei­nen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht län­ger zu ertra­gen,
Wenn du erst lernst zu über­set­zen, was sie wirk­lich sagen:
Der Minister nimmt flüs­ternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

Sei wach­sam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wach­sam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du dei­ne Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wach­sam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wach­sam,
Bewahr dir dei­nen Mut.
Sei wach­sam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jam­mern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die ver­kehr­ten.
Und die, die da so vor­laut in der Talk-Runde stram­peln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rum­tram­peln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimms­ten Böcke als Gärtner, na wun­der­bar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie bie­gen die Wahrheit und ver­dre­hen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!
Sei wach­sam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wach­sam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du dei­ne Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wach­sam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wach­sam,
Bewahr dir dei­nen Mut.
Sei wach­sam
Und sei auf der Hut!

Es ist ’ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
’ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hoch­ge­ach­tet und sehr aner­kannt,
Und nach den schlimms­ten wer­den Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber läßt man lau­fen,
Kein Pfeifchen Gras, aber ’ne gan­ze Giftgasfabrik kannst du kau­fen.
Verseuch’ die Luft, ver­strahl’ das Land, mach unge­straft den größ­ten Schaden,
Nur laß dich nicht erwi­schen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n,
Und die Polizei muß immer auf die Falschen drauf hau’n.

Sei wach­sam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wach­sam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du dei­ne Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wach­sam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wach­sam,
Bewahr dir dei­nen Mut.
Sei wach­sam
Und sei auf der Hut!
Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garan­tie­ren.
Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran mani­pu­lie­ren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quas­seln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel ras­seln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim gro­ßen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wie­der soll von die­sem Land Gewalt aus­ge­hen!”
„Wir müs­sen Flagge zei­gen, dür­fen nicht bei­sei­te ste­hen!”
„Rein huma­ni­tär natür­lich und ganz ohne Blutvergießen!”
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz aus­zu­schlie­ßen.”
Sie zieh’n uns immer tie­fer rein, Stück für Stück,
Und seit heu­te früh um fünf Uhr schie­ßen wir wie­der zurück!

Sei wach­sam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wach­sam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du dei­ne Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wach­sam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wach­sam,
Bewahr dir dei­nen Mut.
Sei wach­sam
Und sei auf der Hut!

Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrü­gen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und ver­schon’ mich mit den fal­schen Ehrlichen,
Die fal­schen Ehrlichen, die wah­ren Gefährlichen!
Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ’nem biß­chen Rückgrat in die­ser ver­krümm­ten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mund­tot machen,
Erpressen, bestechen, ver­su­chen, dich zu kau­fen.
Wenn du die Wahrheit sagst, laß drau­ßen den Motor lau­fen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein ver­dammt schnel­les Pferd.
Sei wach­sam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wach­sam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du dei­ne Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wach­sam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wach­sam,
Bewahr dir dei­nen Mut.
Sei wach­sam
Und sei auf der Hut!

Webseite: www.reinhard-mey.de/start/

Download: hier oderReinhard Mey - Sei wachsam

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Weiterführende Artikel:

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Quellen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Mey
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Mey/Diskografie

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